Stimmt es, dass auf den Verkauf eigener Sachen und Überweisungen von Freunden bald Steuern fällig werden?

Stimmt es, dass auf den Verkauf eigener Sachen und Überweisungen von Freunden bald Steuern fällig werden?

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Heißes Thema: Das Datum aus dem Gerücht liegt noch in der Zukunft Stichtag laut Gerücht: 2027.01.01

Aus dem Russischen übersetzt. Original

Gerücht: In Deutschland heißt es auf TikTok, man dürfe auf Vinted, eBay und Flohmärkten nur 3 gebrauchte Sachen im Monat verkaufen, für die vierte drohe ein Jahr Haft. In Russland heißt es auf Telegram, ab 1. Januar 2027 müsse man von jeder Überweisung von Freunden und Bekannten 13 % ans Finanzamt abgeben.

1. Urteil

Falscher Schluss

Eine neue Steuer auf den Verkauf getragener eigener Sachen gibt es in Deutschland nicht: Plattformen melden seit 2023 nur, wer im Jahr 30 Verkäufe oder 2.000 Euro erreicht – und eine Meldung ist keine Steuer. In Russland sind Überweisungen von Freunden derzeit steuerfrei. Ein Gesetzentwurf könnte einen Teil der Geschenke von Nicht-Verwandten steuerpflichtig machen, er ist aber nur in erster Lesung angenommen, und Juristen streiten, ob er Kartenüberweisungen überhaupt betrifft.

Hoch: Die deutschen Gesetze und die Seite des Gesetzentwurfs in der Staatsduma haben wir selbst geöffnet, unabhängige Faktenchecks stimmen damit überein. Nicht „sehr hoch“: Den vollen Text der russischen Änderung zu Schenkungen haben wir nicht gelesen, offizielle Erläuterungen des Finanzministeriums gibt es noch nicht.

2. Behauptungen und Fakten

  • «In Deutschland darf man nur 3 gebrauchte Sachen im Monat steuerfrei verkaufen, für die vierte gibt es ein Jahr Haft»Falsch

    Eine solche Regel gibt es nicht. Die Faktenchecker CORRECTIV und Mimikama fanden weder ein solches Gesetz noch eine Haftdrohung. Der Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs (Kleidung, Spielzeug, Geschirr) ist gar nicht einkommensteuerpflichtig – das steht ausdrücklich in § 23 EStG.[1][2][4]

  • «Vinted und eBay geben jetzt Verkäuferdaten ans Finanzamt weiter – also muss man Steuern zahlen»Verzerrt

    Plattformen melden tatsächlich Verkäufer an die Steuerbehörden – nach EU-Regeln, die seit 2023 gelten (DAC7). In Deutschland betrifft das, wer auf einer Plattform im Jahr 30 oder mehr Verkäufe hat oder 2.000 Euro oder mehr erhält (Plattformen-Steuertransparenzgesetz). Aber eine Meldung ist keine Steuer. Steuer fällt nur an, wenn man Gewinn macht (etwa innerhalb eines Jahres teurer weiterverkauft, als man gekauft hat) oder faktisch gewerblich handelt.[3][1][2][4]

  • «Das neue Gesetz tritt am 28. September / 26. Oktober / „ab nächster Woche“ in Kraft»Falsch

    Die Termine unterscheiden sich von Video zu Video, keiner lässt sich bestätigen. CORRECTIV fand keine Änderung am Gesetz zur Meldepflicht der Plattformen. Eine echte Reform gegen Schwarzarbeit gibt es, aber keine Regel zum vierten Verkauf oder zu Haft.[1][2]

  • «In Russland muss man ab 1. Januar 2027 von jeder Überweisung von Freunden und Bekannten 13 % ans Finanzamt abgeben»Falsch

    Derzeit ist Geld als Geschenk von jeder Person, auch per Kartenüberweisung, steuerfrei – das haben die russische Steuerbehörde und das Finanzministerium bestätigt. Ein Gesetz über eine Steuer auf Überweisungen gibt es nicht. Rückzahlung von Schulden, Bezahlung eines Kaufs, Teilen der Restaurantrechnung oder eine Fehlüberweisung sind ohnehin kein Geschenk und kein Einkommen.[6][7][8]

  • «Das folgt aus dem neuen Gesetzentwurf der Regierung»Teilweise

    Teilweise. Den Gesetzentwurf Nr. 617-9 hat die Regierung am 30. September 2026 eingebracht, die Staatsduma nahm ihn am 29. Oktober in erster Lesung an; Änderungsanträge sind bis 12. November möglich. Laut Juristen und Medien soll die Steuerbefreiung für geschenkte „Vermögensrechte“ nur noch für nahe Verwandte gelten. Manche Autoren meinen, darunter könne Geld auf der Karte fallen, andere nicht, weil Buchgeld im Steuerrecht als Vermögen gilt. Erläuterungen von Finanzministerium und Steuerbehörde gibt es noch nicht; das Gesetz ist nicht beschlossen und kann sich ändern.[11][9][10][7][6]

  • «Die Steuerbehörde wird alle Überweisungen prüfen»Verzerrt

    Nein. Diskutiert wird ein Datenaustausch zwischen Steuerbehörde und Zentralbank, um verdeckte Geschäfte zu finden – regelmäßige Zahlungen von vielen Personen. Im April 2026 nannte die Steuerbehörde Schätzungen über „10 Mio. unter Kontrolle“ verfrüht: Die Kriterien stehen noch nicht fest. Selbst eine solche Kontrolle ist keine Steuer auf jede Überweisung.[12]

3. Woher das Gerücht stammt

  • Deutsches Gesetz · de

    Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz tritt in Kraft: Plattformen melden Verkäufer (ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr). Das ist die deutsche Umsetzung der EU-Regeln.[3][2]

  • Full Fact · en

    In Großbritannien eine ähnliche Welle über eine „Nebenjob-Steuer“ für Vinted und eBay. Full Fact erklärt: Plattformen geben nur Daten weiter, eine neue Steuer gibt es nicht.[5]

  • Russische Steuerbehörde (regional) · ru

    Die Steuerbehörde erinnert: Kartenüberweisungen an Freunde, Verwandte und Bekannte sind nicht einkommensteuerpflichtig.[8]

  • Russische Steuerbehörde (FNS) · ru

    Die Steuerbehörde nennt Schätzungen verfrüht, wonach wegen Überweisungen 10 Mio. Russen unter Kontrolle geraten.[12]

  • TikTok · de

    Erste Videos: „3 Verkäufe im Monat, sonst Steuer, Strafe oder Haft“. Laut CORRECTIV bis Ende Oktober etwa 150.000–160.000 Aufrufe.[1]

  • Staatsduma · ru

    Die Regierung bringt das große Steuerpaket Nr. 617-9 für 2027 ein.[11]

  • Vbr.ru · ru

    Medien berichten, dass laut Entwurf Geschenke auf die Karte von Nicht-Verwandten einkommensteuerpflichtig werden könnten.[9]

  • Telegram, soziale Netzwerke → 360.ru · ru

    In sozialen Netzwerken kursiert „ab 1. Januar 2027 müssen 13 % der Überweisungen ans Finanzamt“. 360.ru nennt das eine Falschmeldung.[6]

  • Staatsduma; CORRECTIV · ru, de

    Die Staatsduma nimmt den Entwurf Nr. 617-9 in erster Lesung an. Am selben Tag widerlegt CORRECTIV das deutsche Gerücht.[11][1]

  • Mimikama · de

    Der österreichische Faktenchecker Mimikama: Eine „Drei-Artikel-Regel“ und Haft gibt es nicht.[2]

  • Klerk.ru · ru

    Analyse für Buchhalter: Nach Ansicht der Autorin bleiben Kartenüberweisungen auch nach der Änderung steuerfrei.[7]

Wie sich der Text veränderte

  1. Ausgangsfakt: Plattformen melden nach EU-Regeln Verkäufer mit 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr an die Steuerbehörden.
  2. → Deutschland: Aus „melden“ wird „besteuern“, aus „30 im Jahr“ wird „3 im Monat“, dazu kommen eine Haftdrohung und ein erfundenes Kanzlerzitat.
  3. → Russland: Eine echte Änderung zu geschenkten „Vermögensrechten“ wird zu „13 % auf jede Überweisung von Freunden“ – ohne den Hinweis, dass das Gesetz nicht beschlossen ist und Schuldrückzahlungen und Käufe keine Geschenke sind.

4. Was die Medien schreiben

  • CORRECTIV (Deutschland)Widerlegt

    Falsch: Eine Steuer auf private Verkäufe gebrauchter Sachen gibt es nicht, eine Plattformmeldung ist keine Steuer.[1]

  • Mimikama (Österreich)Widerlegt

    Falsch: Keine „drei Artikel im Monat“ und keine Haft; die Meldeschwelle liegt bei 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr.[2]

  • 360.ruWiderlegt

    Falschmeldung: Geldgeschenke sind derzeit steuerfrei, der Entwurf ist nicht beschlossen, offizielle Erläuterungen gibt es nicht.[6]

  • Klerk.ruKontext

    Nach Ansicht der Autorin betrifft die Änderung keine Buchgeld-Überweisungen, obwohl im Netz die Gegenmeinung überwiegt.[7]

  • Vbr.ruKontext

    Zusammenfassung des Entwurfs: Geschenke auf die Karte von Nicht-Verwandten könnten einkommensteuerpflichtig werden, falls die Änderung so beschlossen wird.[9]

  • Full Fact (Großbritannien)Widerlegt

    2024: Die Datenweitergabe der Plattformen an die Steuerbehörde ist keine neue Steuer.[5]

5. Soziale Medien

  • TikTokPanik

    Videos über die „Drei-Verkäufe-Regel“ mit Drohung von Strafe oder Haft.[1]

    2026-09-12 · etwa 150.000–160.000 Aufrufe am 29.10.2026 (laut CORRECTIV)

  • Reddit (r/VintedDeutschland)Zweifel

    Vinted-Verkäufer fragen, ob das stimmt, und teilen den Screenshot.[2]

  • Telegram, soziale NetzwerkePanik

    Beiträge „ab 1. Januar 2027 müssen 13 % der Überweisungen ans Finanzamt“.[6]

    2026-10

6. Anzeichen von Manipulation

  • Echte Regel mit verzerrten Zahlen. Das deutsche Gesetz spricht von 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr; in den Videos sind es „3 Sachen im Monat“.
  • Drohung mit Strafe. „Ein Jahr Haft“ für den vierten Verkauf – laut Mimikama steht das in keinem Gesetz.
  • Unbelegtes Zitat. Das Zitat von Kanzler Merz auf dem Screenshot fand CORRECTIV in keiner Datenbank.
  • Genaues, nahes Datum. 28. September, 26. Oktober, „ab nächster Woche“, „ab 1. Januar 2027“.
  • Mögliche Auslegung als Tatsache verkauft. Der Entwurf Nr. 617-9 ist nur in erster Lesung angenommen, der Beitrag behauptet aber, 13 % jeder Überweisung „müssen abgegeben werden“.

7. Ähnliche Gerüchte in der Vergangenheit

  • Großbritannien: „Nebenjob-Steuer“ für Verkäufer auf eBay, Vinted und Airbnb

    Ergebnis: Keine neue Steuer; die Plattformen begannen nur, Daten weiterzugeben, und die Steuerbehörde bestätigte, dass der Verkauf persönlicher Sachen steuerfrei ist.[5]

  • Russland: „Steuer auf alle Kartenüberweisungen“

    Ergebnis: Die Steuerbehörde erinnerte, dass Überweisungen an Freunde, Verwandte und Bekannte nicht einkommensteuerpflichtig sind.[8]

  • Russland: „10 Mio. Menschen geraten wegen Überweisungen unter Steuerkontrolle“

    Ergebnis: Die Steuerbehörde nannte die Schätzung verfrüht: Kriterien nicht festgelegt, Abkommen mit der Zentralbank nicht unterzeichnet.[12]

Gemeinsamkeiten mit früheren Gerüchten

  • Echte Meldepflichten werden als neue Steuer ausgegeben
  • Schwellen werden verzerrt: aus „30 im Jahr“ wird „3 im Monat“
  • Genaues, nahes Datum des Inkrafttretens

Neu

  • Zwei Wellen in verschiedenen Ländern fast gleichzeitig
  • In Russland hat das Gerücht eine echte Grundlage – eine umstrittene Änderung in einem Entwurf, der in erster Lesung angenommen wurde

9. Was tun

  • Der Verkauf getragener eigener Sachen unter dem Kaufpreis ist in Deutschland steuerfrei. Wer viel verkauft, sollte Belege und Verkaufsnotizen aufbewahren.
  • Eine Nachricht von Vinted oder eBay mit der Bitte um Ihre Steuer-ID dient der Meldung, sie ist keine Steuerrechnung.
  • Überweisungen von Freunden sind in Russland derzeit steuerfrei. Falls das Gesetz zu Schenkungen beschlossen wird, zählt der Endtext nach der zweiten Lesung und die Erläuterung der Steuerbehörde, nicht Nacherzählungen auf Telegram.
  • Wer regelmäßig für Leistungen oder Waren bezahlt wird, hat Einkommen – das muss man tatsächlich angeben, in Russland etwa als Selbstständiger.

10. Was wir nicht prüfen konnten

  • Den vollen Text der Änderung zu Schenkungen im Entwurf Nr. 617-9 haben wir nicht gelesen: Die Duma-Seite ist zu groß, die Formulierung kennen wir aus Zusammenfassungen von Vbr.ru, Onlex und Klerk.ru.
  • Die Erläuterung der Steuerbehörde vom Juli 2026 zu Geschenken, auf die 360.ru verweist, haben wir nicht selbst geöffnet.
  • Die ursprünglichen TikTok-Videos und Telegram-Beiträge haben wir nicht geöffnet: kein Browser verfügbar. Die Reichweite stammt von CORRECTIV.
  • Auf der CORRECTIV-Seite steht im Seitenkasten „Richtig“, im Haupttext „Falsch“; wir halten die Bewertung im Haupttext für maßgeblich.

11. Quellen

  1. CORRECTIV – Ebay, Vinted, Flohmarkt: Bei privatem Verkauf von Gebrauchtem in der Regel keine Steuern (29.10.2026) · abgerufen 2026.11.06
  2. Mimikama – Ebay, Vinted, Flohmarkt: Keine Haft ab dem vierten Verkauf (30.10.2026) · abgerufen 2026.11.06
  3. Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), § 4 · abgerufen 2026.11.06
  4. Einkommensteuergesetz (EStG), § 23 · abgerufen 2026.11.06
  5. Full Fact – Keine neue Steuerregel für Verkäufer auf Vinted, Airbnb und eBay (08.01.2024) · abgerufen 2026.11.06
  6. 360.ru – Falschmeldung: Ab 2027 werden Überweisungen von Freunden besteuert (27.10.2026) · abgerufen 2026.11.06
  7. Klerk.ru – Werden Kartenüberweisungen laut Entwurf Nr. 617-9 einkommensteuerpflichtig: Wahrheit oder Mythos? (02.11.2026) · abgerufen 2026.11.06
  8. Klerk.ru – Steuerbehörde: Überweisungen an Freunde, Bekannte und Verwandte sind steuerfrei (06.10.2025) · abgerufen 2026.11.06
  9. Vbr.ru – Geschenke auf die Karte von Freunden sollen einkommensteuerpflichtig werden (02.10.2026) · abgerufen 2026.11.06
  10. Onlex – Entwurf 617-9: Änderungen der russischen Abgabenordnung ab 2027 · abgerufen 2026.11.06
  11. Staatsduma – Seite des Gesetzentwurfs Nr. 617-9 · abgerufen 2026.11.06
  12. Expert – Steuerbehörde dementiert Kontrolle der Überweisungen von 10 Mio. Russen (17.04.2026) · abgerufen 2026.11.06

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